Südtirol ist schön

In München hing Anfang August ein Plakat und bei uns im Land ging dem Establishment der Arsch auf Grundeis.
Was ist erlaubt mit unserer [sic] Dachmarke? Für mich muss es Anno 2017 erlaubt seine – mit Ironie gewürzt – Kritik im Sinne von Freidenkern [sic] zu äußern. Es geht um das Hinterfragen und spitz auf dem Punkt bringen. Wir haben eine Lederhosen-Dirndl-Frühschoppen-Adabei-Oans-Zwoa-Drei-Gsuffa-Kultur, aber keine Kritikkultur. Gerade jene Granten die nun auf den Schlips sich getreten fühlen, wären beleidigt, wenn diese bei einer der Faschingsrevue im Lande leer ausgingen. So sieg holt is a la Dietmar Prantl. 


Die Reaktion der Klagsandrohung von Seiten der Autonomen Provinz Bozen/IDM Südtirol (Innovation Development Marketing, ehemals SMG) zeigt uns, dass nicht alles eitle Wonne Sonnenschein im Südtiroler Obst- und Weinbau ist. Der Finger wurde mit nur einem Plakat in München sehr tief in die hoch subventionierte Landwirtschaftswunde gelegt. Das was man in der aktuellen IDM-Kampagne jährlich um 12 Steuermillionen verkauft, wird inhaltlich unserem aktuellem Südtirol nicht gerecht. Wer den angepriesenen IDM-Stellenausschreibungen nachkommt, wird Ernüchterung erfahren, wenn Stoßstange auf Stoßstange durch Südtirol sich quält, mit überteuerten Kaffeepreisen, mit Holländischen g.g.A. Specktellern, mit Dönerbuden, Plastik- und Alumüll in der Gastronomie, auf Wochenmärkten und Almhütten ...


Rechts: Dolomiten 17.August 2017. S. 17 
Entgegen der Beteuerungen vom Landwirtschaftslandesrat, sind die Obst- und Weinplantagen – von Salurn bis Mals – für mich industrielle Monokulturen. Der konventionelle Landesrat ist im Wahlkampfmodus 2018. 2016 wurden 1,06 Millionen Tonnen Apfel geerntet. Bis in den Oberitalienischen Raum werden Kühlzellen angemietet um Äpfel Made in Südtirol zu lagern. Dort die Ernte 2016 noch lagert, wenn man 2017 erneut zu klauben beginnt. Nachhaltig ist das für mich nicht. Es ist eine Agro-Industrie die ihre Märkte auch in Afrika hat. Kann mir jemand sagen wie viel Tonnen Südtiroler Äpfel jährlich nach Afrika gehen und zu welchem Verkaufspreis für den Endverbraucher?

Es geht um eine Klage, da der Dachmarkenberg in München für ein angebliches Sakrileg verwendet wurde. Wie oben ersichtlich, habe ich den Dachmarkenberg seit 2006 immer wieder für künstlerische Interventionen verwendet. Den Dachmarkenberg mit Legosteinen nachgebaut und u.a. für das Projekt Südtirol ist schön öffentlich verwendet. Eine Klage dafür habe ich bisher noch nicht erhalten.

„Südtirol ist schön trifft einen sensiblen Südtiroler Nerv und deckt schonungslos auf, wie weit in unserem Land Anspruch, Werbebotschaft und Wirklichkeit auseinander klaffen und wie fragwürdig die Aussagen sind, dass es ja so gut geht“, so Sepp Kußtatscher (Ex-EU-Parlamentarier). 

Bei Südtirol ist schön stand das Einfangen von alltäglichen Südtirolern Stimmungsbildern im Vordergrund und nicht der Anspruch Hochglanzfotos zu produzieren. Über mein – seit über 30 Jahren fotografisches Schaffen – schreibt Heinrich Schwazer: „Die Fotos von Armin Mutschlechner schauen stets so aus, als seien sie einzig für den Augenblick gemacht, könnten ebenso schnell gelöscht werden, wie sie entstanden sind. Der Begriff des Dokumentarischen greift zu kurz. Zum Vorschein kommt dabei ein Künstler, der, dem flüchtigen Gestus seiner fotografischen Handschrift zum Trotz, viel weitsichtiger und planvoller agiert, als man auf den ersten Blick vermuten könnte.“


Foto: foto forum bozen






Danke Heini für den Balsam auf die künstlerische Seele. Meine Auseinandersetzung mit dem Dachmarkenberg – ohne Gewinnabsichten – wurden bisher rechtlich nicht belangt. Obwohl nach wie vor Werke öffentlich abrufbar sind, oder öffentlich zur Schau gestellt wurden – im Februar 2013 – in der Galerie foto forum in Bozen . Das Motto der Ausstellung damals: „Südtirol ist schön – Wir sind Produkt. Meint was ihr wollt. Aber müsst ihr es auch sagen?“ Die Presse hatte darüber ausführlich in Ton und Bild berichtet. Nix. Keine Klage von der Ex-SMG oder der Landesregierung.


Auch keine Klage, als im Oktober 2013, in Rom das Gütesiegel Gülle mit Dachmarkenberg vorgestellt wurde. Auch hier u.a. die Rai-Tagesschau einen ausführlichen Hintergrundbericht vom Palazzo Madama mit Original Südtiroler Markengülle geruchsneutral in die Südtiroler Wohnzimmer lieferte. Null Reaktion von der damaligen SMG-Führung, der Bauernlobby, vom Landeshauptmann, dem Bauern-Landesrat oder vom EU-TTIP-Glyphosat-Dorfmann.


2006 wurde die Dachmarke für Original Südtiroler Feinstaub in Meran verwendet. In der Sparkassenstraße der Passerstadt Dachmarken-Feinstaub samt Landesadler öffentlich feil geboten wurde. Geklagt hatte damals keiner.

Foto: bus bild de













Ein Busunternehmer aus Pfalzen nutzte auch ungefragt den Dachmarkenberg für die kommerzielle Fahrgastqualität aus Südtirol. Diesem wurde – meinem Kenntnisstand – bisher auch nicht der Prozess gemacht ... nur eine Geldbuße nach jahrelangem Ringen (Siehe ff, Nr. 34/20017, S. 11). Warum kommen nun die Münchnern zum Handkuss? Es sind Vorwahlzeiten und ans Bein pinkeln dürfen nur Dachmarkengeschädigte Hofnarren. Toll!

NB: Sollte in den obigen Zeilen etwas >flasch widergegebne< sein – was nicht beabsichtigt war – so bitte ich Richtigstellungen mir zukommen zu lassen. Es wird veröffentlicht. Den einen oder anderen Tippfehler möge man mir legasthenisch nachsehen.