In Memoriam Giuseppe Simonini/Sepp Thaler

Giuseppe Simonini/Sepp Thaler | 9.6.1901 - 10.3.1982 | R.I.P.

Kapellmeister, Chorleiter, Organist, Komponist und Gemischtwarenhändler aus Auer. Bis heute gilt Thaler als
Säulenheilige der Südtiroler Blaskapellenwelt. Bei seinem Tod 1982 hochdekorierter Würdenträger der Südtiroler Kulturlandschaft. Walther von der Vogelweide Preis, Verdienstkreuz des Landes Tirol, Verdienststern des Verbandes Südtiroler Musikkapellen (VSM) oder das goldene Verdienstkreuz des Österreichischen Blasmusikverbandes. Thaler ist Ehrenbürger seiner Heimatgemeinde Auer. Dort ist die Musikschule des Landes Südtirol nach im benannt. Der VSM ernannte Thaler 1980 zum Ehrenverbandskapellmeister. Im selben Jahr titelte die Tageszeitung Dolomiten mit:
Das Ende der Aera Sepp Thaler
Das Tagblatt lieferte einen Aufstellung seines Lebenswerk im Artikel: 62 Jahre Leiter des Kirchenchor in Auer (1918-1980), 58 Jahre Dirigent der Musikkapelle Auer (1922-1980) und 32 Jahre Südtiroler Verbandskapellmeister (1948-1980). Die Auflistung ist teils geschönt, da zwischen 1937 und 1947 Thaler in Auer musikalisch nicht Tätig war. Tunlichst verschwiegen wird u.a. die Tätigkeit als Leiter einer Kulturgruppe [sic] in Innsbruck nach 1939. N.B: 1938 Wurde Österreich an das Deutsche Reich angeschlossen. Die Jahre 1939 bis 1945 werden in Thaler-Biographien zumeist ausgespart oder nur unverfänglich gestreift. Wie auf den Internetauftritten des VSM oder der Musikkapelle Auer. Im VSM-Werkrverzeichnis des Musikfaktotums werden keine Kompositionen vor 1952 aufgelistet [sic].

In den 1930ger Jahren wird aus Giuseppe Simonini Sepp Thaler. Er nahm den Schreibnamen seiner Mutter an. Vermutlich Blut und Boden Ideologien geschuldet, da Thaler ab 1937 vereinigter Aktivist des Völkischen Kampfrings Südtirol (VKS, Kartei-Nr. 3012) war. Der VKS fußte auf dem Führerprinzip. Auf „Ein Volk, ein Reich ein Führer“; sprich: Heim ins Reich aller Volksdeutschen Genossen. 1939 wird Thaler von faschistischem Regime in Trient inhaftiert und Ende des Jahres ins Deutsche Reich/Ostmark abgeschoben. Ab da arbeitet er in Innsbruck für die NS-Kulturpropaganda, und war u.a. im Ausschuss für Volksmusik im Gau Tirol-Vorarlberg tätig. 

Thaler in Uniform 1941. Leiter der Hitler-Jugend-Kapelle (Kulturgruppe) Innsbruck [sic].

Zu Josef Eduard Ploners „Gauliederbuch Hellau!“ (1942)  steuert Thaler drei Lieder bei [sic].  Das „Perlaggerlied, Im Wirtshaus Zur Ros’n“, ist Gauleiter Franz Hofer gewidmete. Ab 1943 übernimmt er in Südtirol, im Auftrag des Obersten Kommissars Franz Hofer den Aufbau, sowie die propagandistische und ethnopolitische Instrumentalisierung der Südtiroler Schützenkapellen [sic]. Nach dem Krieg engagierte sich Thaler für das Südtiroler Blasmusikwesen im neu gegründeten VSM (28. September 1948).

NACHTRAG: Alle angeführten Fakten sind mit Quellen belegt. Sie können beim Autor angefragt werden. Sollten im Text Fakten nicht richtig wieder gegeben sein, bitte ich um Benachrichtigen. Den einen oder anderen Tippfelher möge man mir legasthenisch nachsehen.